Ich wollte doch lernen

Wenn ich nicht unter Zeitdruck lernen muss, läuft es für gewöhnlich so ab: Ich komme um 14.30 Uhr nach Hause. Trinke 1-3 Kaffee und setze mich dann an meine Schulsachen. Ich öffne das Internet, drifte ab und merke viel zu spät, wie viel Zeit ich _nun schon wieder_ vertrödelt hab. Ich öffne ein Buch und schau mir irgendwas an, fange manchmal auch an zu lesen. Der Boden ist ja schon wieder so kalt. Gleich mal warme Socken holen. Ach Mist, die Wäsche von gestern liegt ja auch noch in der Waschmaschine. Und die Spülmaschine. Aber DANAAACH!! Danach geht’s gleich weiter mit lernen! Ich setzte mich wieder. Frage mich, was ich wohl zuletzt gemacht hab, nehm meinen Block und notiere etwas. Apropos, ein blog lebt nicht vom Design allein. Hatten wir schon Kaffee? Ich haue irgendwas in die Tasten, ehe mir wieder in den Sinn kommt: Ich wollte doch eigentlich lernen.

Neulich im Dahliengarten…

Vor ein paar Wochen zog ich los, um Weinreben am Frauenberg in Fulda für ein anstehendes Schulprojekt zu fotografieren. Dummerweise, als wüsste ich es nicht eigentlich besser, war die Weinlese schon vorüber und somit lief ich zurück in die Stadt. “Auf dem Heimweg noch schnell ein Stück vom genialen Mohnkuchen im Café Wess mitnehmen und zu Hause dann Kaffee trinken”, dachte ich mir so. Da sah ich die Pforte zum Dahliengarten offen stehen, ging rein und gönnte mir noch eine halbe Stunde Urlaub…

 

Was Borg bereits erkannt und Nadal noch vor sich hat

Wie jedes Grand Slam Tunier verfolgte ich auch morgens um halb zehn das Finale der Australian Open am 29. Januar 2012. Nadal gegen Djokovic. Ich bin nicht direkt ein Fan, dennoch hege ich Sympathien. Auch in diesem Tunier begann Nadal, wie so oft, bereits noch während des ersten Satzes sich ständig die Hose zu richten. Die Unterhose, offensichtlich. Man nennt Ihn ja mittlerweile schon liebevoll den Arsch-Grabscher. Ich würde diesen Ausdruck ja niemals verwenden, zumal es auf spanisch sicher viel besser klänge. So saß ich da, twitternd auf meiner Couch und fieberte mit. Für Nadal.

 

Neben einigen lustigen replys bezüglich eines gemeinsamen twitter-Projektes von @minussinus, einer Herausforderung zum Match mit dem @speerstarker (den ich ja gerne als den Speer-stalker tituliere) und @bonzibuddy im Rückblick auf Wassereis, forderte mich @wowunterwäsche auf, Nadal doch eine passende Unterhose zu zeichnen, noch bevor das Match zu Ende sei. Da ich schon immer großen Mut zur Hässlichkeit besaß, malte ich natürlich.

 

Zwei Sätze vergingen und ich hatte noch immer nichts brauchbares auf dem Papier. Aber aufgeben wollte ich auch nicht. Ich brach also förmlich aus mir heraus, lachte mich währenddessen halb kaputt und hatte keine Zeit mehr zu twittern. Aber es lohnte sich, denn ich gewann die Wette. Mein Gewinn sollte Unterwäsche für meinen damaligen Avatar sein. Denn passende Unterwäsche ist wichtig. Man macht sich ja keine Gedanken darüber. Entweder sie passt oder man trägt sie nie, ergo, sie gerät in Vergessenheit im hintersten Eck des Schrankes. 

Das Spiel war längst vorüber, als ich am Abend eine DM von @wowunterwäsche bekam, mit der Aufforderung meine Adresse zu senden. Man versprach mir eine Überraschung. Einige Tage später kam tatsächlich ein Päckchen. Der Inhalt war eine weiße Pants von Björn Borg. Passend. In meiner Größe. Ich freute mich unglaublich darüber. Nach dem nächsten Waschgang wurde diese natürlich ausprobiert. Sie passt und sitz perfekt. Ich Danke Euch nochmals tausend mal, Liebes WoW!Unterwäsche-Team  und bestelle hiermit übrigens nochmals 10 Stk nach, AGBs hab ich gelesen..jaja..!!

Ja. Borg hat’s erkannt. Passende Unterwäsche ist wichtig. Vielleicht kommt Nadal auch dahinter, wenn er erstmal im Tennisruhestand ist und Wäsche entwirft. Wenn dies eintreffen sollte, erinnert sich ohnehin keiner mehr an seinen Beinamen, als er noch unter den Weltranglisten Ersten war. Allerdings werden wir bis dahin wohl noch des Öfteren seinen Körperbau erahnen können.

 

 

 

 

 

Dufftown

Heute ging es nach Dufftown. Von immerhin 7 Destillerien bietet nur Glenfiddich Führungen an. Natürlich fanden wir das erst vor Ort raus. Und da wir wussten, dass dort um die 30 Whiskyguides nur deutschsprachige Führungen betreuten von ca 200 Guides insgesamt, schreckte das ein bisschen ab. Ohnehin waren wir schon schockiert, wie viele Touristen es hier gibt.

“Rome was built on seven hills, Dufftown stands on seven stills”

Das Wetter war seit langem zum ersten mal wirklich miserabel, das Whiskymuseum hatte geschlossen, Glenfiddich schied aus. Somit liefen wir ein wenig durch den Ort, schauten uns die Touri-Strecke an (die doch zu empfehlen ist – Glenfiddich-licence-Restaurant, Whiskystore in der Innenstadt, Touristinfo), aßen, und fuhren wieder zurück nach Aberlour.

Die Wolkenfront zog vorüber und der Himmel klarte auf. Somit beschlossen wir noch eine kleine Wanderung zu The Macallan zu wagen. Super Idee, querfeldein zu laufen. Auf die 2 km wurden wir fast von den Mücken aufgefressen. Die Sonne schien wieder und die feuchte Luft entlang des Speys ließen die kleinen Tierchen völlig aufblühen. Angekommen, meldeten uns wieder im Visitorcenter. Leider war die nächste und letzte Führung für heute bereits ausgebucht. Da uns aber der Besucherraum so gut gefiel schauten wir uns ein wenig um, kamen dann mit der Empfangsdame, Margret, ins Gespräch. Oft laufen solche Gespräche auf den Beruf raus. Sie freute sich, dass wir Diageo kennen (der Konzern, zudem u.a. auch TheMacallan gehört), so dass sie uns direkt zu einem Whisky einlud. Wir durften einen 12jährigen Sherry-Oak sowie den Amber-Whisky-liqueur mit 25%vol. Alk.  probieren. Der Liquer ist nicht für den Export nach Deutschland bestimmt. So traurig. Das Gespräch verlief dann auch noch in Richtung Rum. Ich hatte ein wenig das Gefühl, sie wolle uns adoptieren. Irgendwann brachen wir wieder auf und bekamen noch einen “TheMacallan-Pin” von Ihr geschenkt. Leider finde ich ihn gerade nicht mehr.

Zurück in Aberlour mussten wir nun auch mal unserer Pflicht nachgehen und diese bescheuerten Mitbringsel kaufen.

Der Campingplatz war überfüllt und nebenan hausen nun 3 schottische Familien. Die Kinder hier sind ja auch echt abgehärtet. Ich trug schon meinen Flies und lange Hose, während die Kids noch immer barfüßig in Badeoutfit herum tollten.

Aberlour Distillery

Heute endlich Destillen-Tour. Zugegeben, nur eine kleine, doch der Wille war da. Zunächst mal sind wir -welch Wunder- beide bereits um 07.00 Uhr aufgestanden.

Die Destillerie Aberlour liegt direkt in der Stadt. Es gibt in der Saison täglich 2 offene Führungen, für die man sich unbedingt anmelden sollte, da diese sehr gut gebucht sind. Glücksschweine wie wir brauchen das nicht. Es waren noch 2 Plätze frei. Wir zahlten 10 Pfund pro Person. Im nachhinein betrachtet die beste Führung, die wir besuchten. Eigentlich sollte man ja vorher etwas essen. Aber von Berufswegen verkraften unsere Körper einiges.

Die Führung wurde zunächst mit Basiswissen eingeleitet. Woher der Whisky eigentlich kommt, wer ihn destillieren darf, wann er Scotch, Malt, Blendet, Vattet usw. heißen darf. Unser (überaus humorvoller) Führer schleifte uns dann hinterher, durch die komplette Anlage und erklärte alles sehr verständlich. Von der Mühle, zum Maischebottich, zu den Pottstillanlagen, wo direkt nebenan das Herz von Vor- und Nachlauf getrennt wird, bis zur Fassabfüllung. Diese jedoch nur theoretisch.

Eines der “Warehouses”, die Gebäude in denen die Fässer dann gelagert werden, bis der Whisky fertig gereift ist, wurde zum Tastingroom, abgetrennt von Glasscheiben, gestaltet. Es gab 6 verschieden Whisky, davon 5 Scotch und ein Glaß mit frisch destilliertem Gerstenbrand, (in dem Fall Whisky, den man noch nicht als solchen  bezeichnen darf). Im Tastingroom durfte man sich wahlweise eine Flasche pro Person mit Whisky aus zweierlei Fässern (Bourbon oder Sherry) gegen Gebühr abfüllen, sowie selbst etikettieren. Mit Unterschrift des Großmeisters auf jeden Fall eine gute Investition für Whiskyfans mit Raritätenwert. (Einzelfassabfüllung, Fassstärke)

Die Aberlour-Distillery  ist meiner Ansicht nach absolut sehens- und empfehlenswert.

Mit dem Bus fuhren wir später nach Rothes. Eigentlich wollten wir Glenrothes besuchen, aber dazu kam es aber leider nicht. Die Destillerie ist nicht öffentlich zugänglich. Demnach besuchten wir Glen Grant. Der Parkplatz lies bereits erahnen, dass hier schon größere Menschenmengen “durchgeschleust” werden. In der Lobby des Visitorcenter meldeten wir uns an und konnten auch direkt teilnehmen. Unsere Führerin blickte leicht apathisch und stellte sich auch nicht vor. Auch wenn ich Ihren Namen wahrscheinlich vergessen hätte. Wie hieß der Typ bei Aberlour noch gleich? Und überhaupt wirkte sie nicht, als mache sie den Job aus Liebe zum Whisky. Als andere aus unserer Gruppe Sie nach der Definition für Bourbon fragten, erstarrte sie schierr konnte Sie nicht antworten. Zuuufällig war ja ein ausgebildeter Barmixer anwesend und konnte helfen ; ) Es gab 2 Verschiedene Single Malts zur Probe.

Die Führung war mit 3,50 Pfund pro Person deutlich günstiger, dauerte aber auch nur 35 Minuten, womit sie umgerechnet wiederum teurer war. Sollte man fairerweise dazu sagen. Zum anderen tuen kurze Führungen zwischenzeitlich auch ganz gut, denn das Prinzip ist überall das gleiche: die Schotten destillieren alle mit Wasser.

Um sinnvoll Zeit zu vertreiben kann man den Glen Grant Garten empfehlen. Um den ja fast mehr Hype betrieben wird, als um die Destillerie selbst.

Auf dem Weg zurück zum Bus verliefen wir uns, irgendwie. Wir fragten einen älteren Herren mit seinem Enkel nach dem Weg und liefen los. Der Weilen hatte der Herr seine Erledigungen getätigt, fing uns am Ortsausgang ab und fragte ob wir mitfahren wollen. Super. Klar wollten wir.

Am Campingplatz verlängerten wir nochmals bis zum kommenden Montag.

Charlestown of Aberlour

Mein Tag begann blendend. Noch vor dem Zähneputzen hatte ich schon ein Zecke am Arm entdeckt. Da ich ja noch nie eine hatte, obwohl ich auf dem Dorf groß wurde (also so groß wie ich halt jetzt bin:)), wurde ich panisch, riss sie mir runter, ging ins Bad und fuhr anschließend ins Krankenhaus. Ich machte also alles falsch, was man hätte falsch machen können. Bis auf den Arztbesuch im Krankenhaus. Da wäre ja “auf die Erde werfen und um Hilfe schreien, bis einer kommt”, klüger gewesen. Ernüchternde Situation, wenn man sich eigentlich so sicher fühlt.

Natürlich war alles Ok. Aber Zufälle gibt es. Ich wollte mich kurz vor der Reise nochmal ärztlich untersuchen lassen und sah ein Plakat zur Zeckenimpfung im Wartezimmer hängen. Darauf hatte ich meinen Hausarzt angesprochen und zuuufällig ist dieser bekennender Schottland-Fan. Verbringt fast jeden Urlaub dort. Er sagte mir, in 20 Jahren Schottlandreisen sei ihm noch keine Zecke unter gekommen, besondere Wahrnungen gäbe es aktuell auch nicht. Also lies ich es bleiben. Zuuufällig traf es mich doch.

Den Rest des Tages, also circa ab halb eins, lagen wir einfach auf dem Campingplatz in der Sonne und genossen die Ruhe. Zwischenzeitlich konnte die Waschmaschine ein bisschen arbeiten. Übrigens gibt es auf fast jedem Camper Waschmaschinen und Wäschetrockner, die fast immer mit Münzen funktionieren. Waschmittel ist schon schwieriger zu bekommen.

Abends gab es Makkaroni aus dem Päckchen mit Lauch und Zwiebeln. Mit einem kleinen Gasbrenner hat man doch nur eingeschränkten Kochspaß. Bis jetzt war dieser der tollste, “faule” Tag.

Witzig ist auch immer, unsere Landsmänner zu beobachten. Die Grill-Mentalität ist einfach unverkennbar. Aktuell stehen 2 deutsche Wohnwagen nebeneinander. Perfekt mit Wasserwage ausgerichtet, den Abstand zum Nachbarn akkurat so, dass das Sonnensegel des einen an das Sonnensegel des anderen knüpft. Die Frauen schaffen Salate ran. 3 Schüsseln für 4 Personen. Ein riesiger Kugelgrill steht -selbstverständlich- vor den Segeln, die beiden Männer -und ich übertreibe diesmal nicht- mit Adiletten und weißen Pumasocken, einer jedenfalls, T-Shirt und Shorthose, davor. Und ich sag noch so: “Pass auf, gleich kommt der gute Hela Gewürz-ketchup auf den Tisch”, stand er auch schon da.

Ich ernenne mich heute selbst zum “Deutschen-erkenner”. Weil es das Wort, als solches zusammen gesetzt, sicher noch nicht gibt. Überragend.

Sudoku? Schlafen!

Craigellachie – Aberlour

Ich habe das Bedürfnis, euch mal ein solches, schottisches Frühstück zu zeigen:

Denn heute hängt es mir zum Hals heraus! Ständig warm essen. Außerdem vermisse ich unser Zelt. Frühstück im Zelt ist ja fast wie zu Hause. Zu viel Nikotin und Koffein auf 2 Stunden komprimiert, später eine Scheibe Toast. (Ich weiß, ganz und gar nicht gesund und ich will es auch nicht schön reden oder gar befürworten.) An der frischen Luft hab ich ständig hunger.

Wir packten unsere Rucksäcke, wogen Sie und kamen jeweils auf 13kg Gepäck. Glücklicher Weise ist die Etappe nur 3,5km. Die Sonne schien. In Charlestown of  Aberlour angekommen fanden wir zufällig (- nein.., man muss doch nicht alles planen-,) das Speyside Way Visitor Center. Die nette Dame dort erklärte uns einiges zur Route an sich sowie den Weg zum Campingplatz. Auf die Frage nach diesem Schloss, dass wir gestern auf unserem Weg sahen, telefonierte sie zunächst einmal. Aufgelegt. Die Antwort:

Das Schloss steht schon seit Jahren zum Verkauf aus. Als man das Gebäude untersuchte, fand man 17 Skelette. Überall. Im Ganzen Schloss. Deren Herkunft und Identitäten konnte nie ermittelt werden.

Ja… das ist der Stoff, den wir Touris wollen.

Am Campingplatz stellten wir fest, dieser näher an Craigellachie lag, als an Aberlour. (Wie dämlich – getreu dem Motto: Wenn man keine Arbeit hat, macht man sich eben welche.)

Zum einkaufen mussten wir noch einmal zurücklaufen. Womit wir heute dann doch noch unsere 10 km “voll bekamen”. 2/3 davon aber ohne Gepäck. Der Platz lag im Wald, schön versteckt und außer ein paar Wohnwagen und einem Paar mit Zelt waren wir alleine. (In den nächsten Stunden kamen allerdings noch 6 Franzose mit Caravan, 2 Zelte mit Holländern, 2 Deutsche im Zelt und 3 weitere Groß- und Kleinzelte, deren Besitzers Nationalitäten wir noch nicht erraten konnten. Was im Grunde auch egal ist.)

Ein Radfahrer, den wir bereits in Lossiemouth trafen, kam sichtlich erschöpf auch noch spät Abends an. Da das Wetter immer noch genial war, konnten wir lange draußen sitzen. Es gab Bratkartoffeln mit Lauchgemüse und Champignons, dazu Salat.

*Hach*

Essenszeit ist die tollste Zeit.

Fochabers – Boat ó Brig – Craigellachie

Zu Anfang sollte ich direkt mal meine Aussage von gestern korrigieren. Dass, was wir heute getan haben war Wahnsinn! Natürlich wieder klassisch gefrühstückt. Da wir von unseren Gastgebern schon auf eine strenge Route einstellen waren, beschlossen wir, unser Gepäck nach Craigellachie transportieren zu lassen. Zwei Etappen sollten ca. 21 km entsprechen – weils ja gestern schon so schön war gleich heute nochmal. Was ja nun nicht unbedingt schlimm ist. Dummerweise hatten wir die 470 Höhenmeter über den Ben Aigen nicht bedacht.

Die ersten 9 km liefen sich sehr angenehm – wohl schon deutlich anspruchsvoller als noch an der Küste – aber das hätte auch vorher klar sein dürfen. Nach längerer Zeit  auf schmalen Feldwegen kamen wir auf eine asphaltierte Straße, vorbei an einzeln gelegenen Farmen und Weiden. Unter anderem auch endlich mal einer Destillerie. Produziert hauptsächlich für J&B blended Scotch. Nach 10 km, dem ersten Etappenziel Boat ‘o Brig, waren wir noch recht motiviert. Knapp 12 km sollten es noch werden. Zunächst verlief die Route entlang des Waldrandes und dann in den Wald hinein. Durch den vielen Matsch wurden auch endlich mal die Wanderstiefel der Fusionsmarke Raichle – Mammut dreckig. (Kein Scherz. Offenbar hat Mammut Raichle aufgekauft und einfach Ihr Logo dazu geklebt.)

Der Wald um uns herum wurde immer dichter, bis irgendwann auch keine Sonne mehr zu sehen war. Scheinbar wütete hier erst ein Sturm. Viele Bäume lagen einfach abgebrochen mitten im Wald herum. (Nebenbei, ich liebe den Geruch von feuchtem Moos und Erde.) Einige Wanderer liefen uns über den Weg, unter anderem auch ein Elternpaar mit einem ca. 10 Jahre alten Mädchen, an das ich später noch öfter denken sollte. Wir überholten die Familie, als sie nach der ersten Steigung auf einem abgesägten Baumstamm ein Picknick hielten. Nach dem Anstieg legten auch wir eine Pause ein. Allerdings konnten wir nirgends so lange stehen, da wie wir das Gefühl hatten, dass Fliegen und Mücken direkt über unseren, wohl feuerroten und glühenden Köpfen schwärmten. Bewegt man sich nur 2 cm, fliegen diese ebenso hinterher. Allerdings 1 Sekunde zeitversetzt. Lustig zu beobachten – so ein Schwarmverhalten. Vorausgesetz, man kann noch lachen. Ich jedenfalls lachte mich halb kaputt. Auch 10 Minuten später noch.

Nun ging es mal wieder ein Stück bergab. Dann aber bekamen wir die volle Breitseite. Die Route verläuft kilometerweit bergauf. Ich trottelte irgendwann nur noch Serpentinenartig hinterher. Nach einer Stunde bergauflaufen, man konnte langsam hoffen, dass der Gipfel nichtmehr allzu weit sein würde, lichtete sich der Wald schlagartig und wir standen an einem Aussichtspunkt der wirklich alles übertraf. Obwohl wir bereits 40 km im Landesinneren waren, konnten wir das Meer sehen. Das Problem in Schottland ist ja nicht, das Panoramaplateau zu finden, sondern Glück mit dem Wetter zu haben. Wir hatten diese seltene und unbezahlbare Aussicht. Auch, wenn mir ein Bier in diesem Moment lieber gewesen wäre.

Da die Fliegen uns immer noch verfolgten, mussten wir weiter. Ab dann ging es sehr steil bergab. Uns kam ein Radfahrer entgegen – fahrend!! Da fühl ich mich ja gleich noch mehr verweichlicht. Außerdem musste ich ständig an dieses Mädchen von vorhin denken. Beziehungsweise war sie zu diesem Zeitpunkt sicher schon das Problem Ihres Vaters. Ich jedenfalls hätte mich tragen lassen, als Kind.

Aktueller Körperzustand: Mir tun die Beine weh. Besonders die Oberschenkel. Fühlt sich an wie ein Nadelkissen. Meine Füße drücken, meine Achillessehne scheint überdehnt und meine Kniescheibe zur linken hüpft -glaub ich- gleich raus. Geht nicht? Ist mir egal!

Sie tat es natürlich nicht, die Kniescheibe! In dem Fall hätten wir aber die Countysideranger anrufen können um mich zu holen. (Natürlich war das keine Option, ich übertreibe nur gerne maßlos und Kennzeichne es dann.)

Wie das Mädchen sich gerade wohl schlägt? Wahrscheinlich waren es Schweizer. Die eidgenössischen Kinder sollen ja angeblich schon mit Wanderstiefel geboren werden. Hatten zumindest unsere schweizerischen Azubis in Arosa immer behauptet.

Irgendwann erreichten wir das Ende des dichten Nadelwaldes und gelangten durch einen Kiefernwald, schließlich in einen Laubwald und letztlich auch in den Eichenwald. Dieser erschien, mehr oder weniger, eher wie eine Parkanlage. Manche Eichen schienen schon mehrere hundert Jahre alt zu sein. Wir passierten ein kleines Schloss, was uns zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal unterkommen sollte.

Nach geraumer Zeit kamen wir endlich in Craigellachie an. Unser B & B lag direkt an der Straße. Direkt neben der Poststation. Wie eigentlich immer, wurden wir sehr herzlich Begrüßt und bekamen unser Zimmer gezeigt. Nach einer Dusche wollten wir nur noch in die Bar gegenüber im Highlander Inn Hotel. Diesen Tipp hatte ich bereits lange vor unserem Ausflug. Klarer Berufsvorteil. Die schottische Markenbotschafterin für Whiskies von Pernod Ricard Schweiz hatte sich an Ihrem freien Tag Zeit für mich genommen, um zu helfen. (Auch, wenn du dies eh nie lesen wirst:)

Danke, Deborah S.!

Auf der bewirteten Terrasse der Bar aßen wir ein Rumpsteak vom schottischen Hochlandrind mit Pommes frites und Salat. Der Barkeeper setzte sich kurz zu uns, fragte uns ein bisschen aus, wie wir Barkeeper das halt so machen, und erzählte uns, wie er zum Whisky kam. Seit 1979 befasst er sich mit der Materie und lernt immer noch täglich dazu, wie er selbst sagte. Über 200 verschiedene Whiskysorten, davon 150 Malts nur aus Schottland. Sämtliche Jahrgänge und Altersstufen, von 6-150 Jahre, zierten sein Rückbuffet sowie Vitrinen und Regale. Alleine Ihm beim reden zu zuhören hatte uns so fasziniert, dass wir am liebsten gleich am nächsten Tag nochmals einkehren wollten. Wir ließen uns natürlich beraten und stellten unsere eigene Degustation zusammen. Unter anderem trank ich hier meinen ersten japanischen vatted malt und mein erster Gedanke war: riecht nach nassem Hundehaar. Ein Lichtblick. Zum ersten mal hatte ich das Gefühl, mein Geruchssinn ist nicht alleine dazu da, um angebranntes von auf-den-punkt-gegartem zu unterscheiden. Vielleicht lag es aber auch einfach an der Reizüberflutung, war ja schließlich schon der 5. Oder so. Später lernten wir noch zwei Schweizerinnen kennen und ein Ehepaar aus Frankfurt. Um 23.00 Uhr war Barschluss. Wir fielen ins Bett.